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2. Tag
Nach 11 Stunden Schlaf sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Jetzt zahlt es
sich aus, dass wir gestern durchgehalten haben. Die Tatsache, dass wir nicht mitten in der Nacht aufgewacht sind, deutet darauf hin, dass wir den Jetlag gut verkraftet haben. Ich beginne den Tag mit einer Runde Joggen und gehe
anschließend mit Elke im gegenüberliegenden Regal Alaskan Hotel frühstücken (sehr gut!!!). Nach dem Frühstück rufe ich bei der Vermietfirma an, um einen Termin für die Übernahme der Wohnmobile zu vereinbaren. Man verspricht
uns, um 10:00 Uhr einen Wagen vorbeizuschicken, der uns abholen soll. Darüber sind wir natürlich sehr erfreut, denn gemäß den Mietbedingungen, hätten wir die Fahrzeuge erst am Nachmittag übernehmen können. Wir rufen Uwe und
Sonja auf ihrem Zimmer an und teilen ihnen die gute Nachricht mit.
Bei strahlendem Sonnenschein werden wir pünktlich abgeholt und sind 5 Minuten später an der Station unseres Vermieters Alaska Panorama.
Gebucht hatten wir die Fahrzeuge bei ADAC Reisen. Eine direkte Buchung bei Alaska Panorama wäre zwar auch möglich gewesen, hätte aber keine Ersparnis gebracht. Wir haben deshalb einen deutschen Vertragspartner vorgezogen.
Beim ADAC hatten wir für die 20-tägige Anmietung 3.628,-- DM bezahlt. Hierin enthalten waren 1200 Frei-Meilen. Vor Ort mußten wir am Ende der Reise noch 50 USD pro Person "preparation fee" (für Gas, Schlafsäcke
und Küchenutensilien) und 15 Cent pro mehrgefahrene Meile bezahlen. Insgesamt kamen wir auf 2709 Meilen, so dass hier noch einmal 226 USD fällig wurden. Unter'm Strich hat uns das Wohnmobil 4.200 DM gekostet, also ca. 210
DM/Tag.
Nachdem wir den Papierkram erledigt haben, wird uns das Wohnmobil ausführlich erklärt. Da wir zwei identische Modelle haben, reicht eine gemeinsame Einweisung für uns vier. Hiermit haben wir keine Probleme, weil
uns die Funktionsweise amerikanischer Wohnmobile von einer früheren Reise nach Kanada bereits vertraut ist. Unsere Wohnmobile sind sehr komfortabel ausgestattet und verfügen u.a. über Automatikgetriebe, Servolenkung,
Mikrowelle, Tiefkühltruhe, Klimaanlage und einen Generator.
Natürlich wäre es viel billiger geworden, wenn wir uns zu viert ein
Wohnmobil geteilt hätten; aber das war nie ein Thema. Für uns war "Urlaub zu viert" bereits ein Experiment mit ungewissem Ausgang, weil noch nie praktiziert. Es stand für uns von Anfang an fest, dass jedes Paar
ein eigenes Wohnmobil nimmt. Nur so läßt sich ein gewisses Maß Individualität und Privatsphäre gewährleisten. Ich kann nur jedem raten, es genauso zu machen. Drei Wochen auf engstem Raum können auch die
beste Freundschaft arg strapazieren.
Vom Vermieter erhalten wir eine Ausgabe der "Milepost" (im Mietpreis
enthalten, normaler Verkaufspreis USD 21,95), die "Bibel" für jeden Reisenden durch Alaska und den Westen Kanada's. Auf 770 Seiten findet man Informationen ohne Ende. Jeder Straßenkilometer wird detailliert
beschrieben. Dieses Buch ist einfach unverzichtbar, wenn man diese Gegend individuell bereist. Wir leihen uns vom Vermieter noch Klappstühle und Toaster und dann sind wir endlich "on the road". Zunächst
fahren wir zu einem großen Supermarkt, in dem wir fast zwei Stunden mit einem Großeinkauf verbringen.
Dann geht es auf dem Seward Highway am Turnagain Meeresarm vorbei weiter Richtung Kenai-Halbinsel. Nach 48 Meilen und etwa einer Stunde
Fahrtzeit erreichen wir die Stichstraße, die zum Portage Glacier führt . Der Anblick der im Wasser treibenden Eisschollen ist beeindruckend. Im Begich-Boggs Visitor Center sehen wir uns den sehr interessanten Film
"Voice from the Ice" an. Man erfährt hier eine Menge über Gletscher und deren Entstehung. Besonders interessant finden wir, dass auf den Gletschern Eiswürmer leben, die sich von heranfliegenden Pollen
ernähren. Wieder etwas dazugelernt! Wir fahren die Stichstraße, die zum Portgage Glacier führt, ein Stückchen zurück und machen eine kleine Wanderung (ca. 1,3 km one way) zum "Byron Glacier", wo wir
Gelegenheit haben, auf dem Eis herumzulaufen. Anschließend fahren wir noch ca. 20 Meilen bis zum "Bertha Creek Campground" (USD 9,00), wo wir beschließen, unsere erste Nacht in der "Wildnis" zu verbringen.
An dieser Stelle ein paar generelle Informationen zu den Campingplätzen in Alaska und Kanada: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen privaten und staatlichen Campgrounds. Die privaten befinden sich meist
in der Nähe von Ortschaften und sind relativ teuer (ca. 15 - 30 USD pro Nacht). Dafür wird ein entsprechender Komfort geboten; d.h. es gibt sanitäre Anlagen, Strom und "fully hook up" (hierunter versteht man den
direkten Wasser- und Abwasseranschluß direkt am Stellplatz). Die staatlichen Campgrounds befinden sich mitten in der Natur, sind in der Regel unbewacht und kosten ca. 8 USD pro
Nacht, die man am Eingang in eine Box wirft ("self-registration"). Jeder der großzügig bemessenen Stellplätze verfügt über einen Tisch mit zwei Bänken sowie eine Feuerstelle. An
sanitären Einrichtungen steht meist nur ein Plumpsklo und eine Wasserpumpe zur Verfügung. Echt urig! Natürlich haben wir im Verlauf der Reise die staatlichen Campgrounds bevorzugt
und die privaten nur aufgesucht, wenn die Dreckschicht so dick wurde, dass sich eine Dusche nicht mehr vermeiden ließ (von der Möglichkeit im Wohnmobil zu duschen, haben wir nie Gebrauch gemacht).
Zurück zum Bertha Creek Campground: Sobald die Wohnmobile stehen, gönnen wir uns erst
mal ein Bierchen, dem wir bald ein zweites folgen lassen.
Langsam wird es kühler und wir durchstreifen den Wald auf der Suche nach Feuerholz. Eine
Axt und eine Säge haben wir von zu Hause mitgebracht und in einem der Wohnmobile finden wir ebenfalls noch eine Axt und eine Säge. So fühlen wir uns gut ausgerüstet, um den Herausforderungen der Wildnis zu trotzen.
Uwe hat technische Probleme. Beim Spalten hat sich seine Axt so sehr verkeilt, dass sie sich
keinen Millimeter mehr bewegt. Wir verwenden viel Zeit und Mühe, bis wir das verdammte Ding endlich wieder frei haben. Unser Feuer will nicht richtig in die Gänge kommen.
Offensichtlich haben wir nicht so gutes Holz erwischt. Zum Abendessen wird gegrillt und um 23:30 Uhr müssen wir der Müdigkeit Tribut zollen.
3. Tag
Wir haben vereinbart, dass jedes Paar für sich alleine frühstückt und den Tag auch alleine verbringt. Treffpunkt ist dann am Nachmittag der
Campingplatz in Homer auf dem Spit. So wollen wir es auch überwiegend während des gesamten Urlaubs handhaben: für abends machen
wir einen Campingplatz aus, auf dem wir uns treffen, und den Tag gestaltet jeder wie er will. Wie sich im Verlauf der Reise herausstellen sollte, hat sich diese Abmachung bestens bewährt. 
Elke und ich starten um 9:00 Uhr bei Sonnenschein in Richtung unseres
heutigen Ziels, das Städtchen Homer. Bei Tern Lake Junction wechseln wir auf den Sterling Highway Richtung Soldotna. Die Fahrt ist zunächst teilweise recht ätzend, weil es unterwegs viele Baustellen gibt. In Kenai
machen wir einen Stopp und bummeln durch diesen netten Ort. Von Kenai aus nehmen wir über die Kalifornsky Beach Road Richtung Sterling Highway. Hier haben wir viel Glück, dass es nicht zu einem
Zusammenstoß mit einem kapitalen Elch kommt, der keine 50 Meter vor unserem herannahendem Wohnmobil die Straße überquert.
Auf der Weiterfahrt stellen wir fest, dass wir den Jetlag doch noch nicht
ganz überwunden haben und schieben einen kleinen Mittagsschlaf ein. Praktisch, wenn man sein Bett immer dabei hat! Unseren nächsten Halt legen wir in Ninilchik ein. In dieser kleinen, direkt am Meer gelegenen
Ansiedlung, leben heute knapp 600 Einwohner. Viele davon haben russische Vorfahren. Hierzu muß man wissen, dass sich Alaska noch in russischem Besitz befand, als dieser Ort 1847 von russischen Siedlern
gegründet wurde. Erst 1867 kaufte die USA Rußland Alaska für 1 Million Dollar ab. Wie sich später herausstellen sollte, ein Super-Deal angesichts
der riesigen Ölvorkommen in Alaska. Wir bummeln durch den verschlafenen Ort, in dem die Zeit stehen geblieben zu scheint. Sehenswert ist
die etwas höher gelegene russisch-orthodoxe Kirche aus Holz mit ihrem Friedhof und den bunt geschmückten Gräbern.
Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Homer, das sich mit der den Amerikanern eigenen Untertreibung als "Halibut Fishing Capital of the World"
bezeichnet. Insgesamt haben wir heute 307 km zurückgelegt. Wir fahren auf den "Spit", eine weit ins Meer hinausragende Landzunge, und checken
auf dem "Homer RV Park" (USD 18,99 + 1,00 USD für Duschen) ein. Der erste Eindruck ist eher enttäuschend, doch bei einem kleinen Erkundungsgang ändern wir unsere Meinung. Entlang des Wassers gibt
es viele rustikale Holzhäuser mit kleinen Geschäften und Restaurants. Eine Stunde später treffen auch Uwe & Sonja endlich ein. Wir gehen duschen und machen uns anschließend auf die Suche nach einem Restaurant.
Höhepunkt des Abends ist ein Besuch im "Salty Dawg Saloon", einer total
urigen Kneipe in einem ehemaligen Leuchtturm. Der Eingang ist so niedrig, dass man sich beim Eintreten bücken muß. Drinnen sind überwiegend Einheimische, und es geht recht laut zu. Wir trinken
australisches Bier aus der Dose und beobachten das Treiben. Decken und Balken sind zugepflastert mit Visitenkarten und signierten Dollarscheinen, die Besucher aus allen Teilen der Welt hier
zurückgelassen haben. Neben uns steht ein Einheimischer, der zwei Eisenkrallen als Handprothesen trägt (so wie in den Piratenfilmen). Der Typ paßt hierhin wie die Faust aufs Auge. Offensichtlich stehen die Mädels
hier auf so was, denn gleich zwei bemühen sich um seine Aufmerksamkeit. Wir nehmen noch einen Absacker im Wohnmobil und liegen um 23:30 Uhr im Bett.
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