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bulletReisebericht Südafrika im November 2003: Kimberley

7. Tag: Donnerstag, 06. November 2003
Augrabie Falls - Kimberley: 547 km
Wetter: 27°C, sonnig


Da wir heute wieder eine längere Strecke vor uns haben, wollen wir noch vor dem Frühstück ein paar Kilometer „abreißen“. In Upington, das wir nach rund 1 ½ Stunden erreichen, finden wir in einem Einkaufszentrum einen Pub, bei dem wir uns draußen auf der Terrasse ein tolles Frühstück gönnen. Als wir unseren Wagen abstellen, kommt ein Schwarzer heran und fragt: „Can I wash your car, Sir?“ Die Kiste ist wirklich saudreckig und die 5 Rand, die er für diese Dienstleistung haben will, nun wirklich nicht zuviel. Also gut, wir haben einen Deal.

Von unserem Frühstückstisch haben wir unser Auto im Blick. Unser Freund hat sich davor aufgebaut und beobachtet den Wagen mit fast hypnotischem Blick. Wir fragen uns, wann er denn wohl endlich mal einen Eimer Wasser zu holen gedenkt. Als eine halbe Stunde später immer noch nichts passiert, dämmert mir allmählich, dass wir uns grandios missverstanden haben. Von wegen „waschen“! Die Frage lautete offensichtlich: „Can I watch your car?“ Wir ärgern uns ein wenig, denn unser Auto bleibt dreckig, und für das Aufpassen zahlen wir auch noch einen überhöhten Preis. Andererseits ist die Geschichte aber auch irgendwie lustig.

Als wir später zu unserem Auto zurückkehren, ist unser Aufpasser verschwunden und taucht auch nicht mehr auf, um sein Geld zu kassieren. Das haben wir allerdings auch noch nie erlebt.

Badewanne statt DuscheEine ereignislose Fahrt bringt uns nach Kimberley, wo wir gegen 15:00 Uhr auf der etwa 20 km außerhalb der Stadt gelegenen Langberg Guestfarm einchecken. Hier wurden die alten Pferdeställe zu urigen, aber nicht sehr komfortablen, Zimmern umgebaut.

Statt einer Dusche gibt es eine alte Badewanne, die noch nicht einmal über einen Brauseschlauch verfügt. Auch die Betten sind alles andere als bequem. Da sich auch der Pool – wie so oft – als viel zu klein erweist, sind wir etwas ratlos, was wir den Rest des Nachmittages anstellen sollen. Zum Wandern ist es uns auf jeden Fall noch zu heiß.

Zum Glück lese ich in der Guestinformation, dass man am späten Nachmittag nach entsprechender Voranmeldung an einer Wildfütterungs-Tour teilnehmen kann. Also suche ich Marietha, unsere Gastgeberin, auf und frage, ob wir mitfahren können. Kein Problem, falls wir nicht zu zart besaitet sind, denn ihr Mann müsse an einem kranken Tier eine kleinere Operation vornehmen. Deshalb dauert die Tour auch etwas länger, aber sie würde mit dem Abendessen auf uns warten.

Gegen 17:00 Uhr holt uns Tienie, der Farmer ab, und wir besteigen einen offenen Geländewagen, wo wir uns zwischen den Futtertrögen einen Platz suchen müssen. Mit von der Partie sind auch noch ein schwarzer Angestellter und ein südafrikanischer Gast, der, wie sich herausstellt, selber auch Farmer ist.

Der Ausflug erweist sich als ein einmaliges Erlebnis. Auf ca. 3200 Hektar hält Tienie 20 verschiedene Wildarten, überwiegend Antilopen. Die wollen jeden Tag gefüttert werden. Kaum dass wir an den Futterstellen auftauchen, kommen die Tiere auch schon heran und warten ungeduldig auf ihr Futter. Man kann sie fast berühren, so nah sind sie.

Warten auf die FütterungEndlich was zum Beißen!





















Richtig spannend wird es dann, als wir die Herde mit dem kranken Tier erreichen. Es hat irgendwelche Probleme mit den Hufen und kann nicht mehr richtig laufen. Wenn man es nicht behandelt, wird es über kurz oder lang sterben, erklärt uns Tienie. Es erfordert viel Zeit und Geduld das Tier von der Herde zu separieren und eine günstige Gelegenheit für den Schuß aus dem Betäubungsgewehr abzuwarten. Sobald das Tier getroffen ist, läuft es davon und wir fahren mit dem Auto hinterher. Nach etwa 5 Minuten wirkt das Betäubungsmittel endlich, und das Tier bricht zusammen.

Trotz des starken Mittels muss das Tier bei der folgenden Prozedur von kräftigen Händen festgehalten werden. Mit einer starken Zange beschneidet Tienie die Hufe des Gemsbockes. Hier ist wohl einiges eingewachsen, was dem Tier starke Schmerzen beim Laufen bereitet. Es ist sehr interessant, bei dieser Aktion zuzuschauen, aber wirklich faszinierend ist der typische afrikanischer Abendhimmel, der die Szenarie untermalt. Dazu die absolute Ruhe. Wirklich ein Erlebnis der besonderen Art und wir sind froh, die Gelegenheit genutzt zu haben.

Operation - Bild 1Operation - Bild 2





















Besondere Vorsicht ist angebracht, als Tienie den Betäubungspfeil aus dem Fleisch des Tieres löst. Das Betäubungsmittel ist 20 mal stärker als Morphium und für den Menschen tödlich, wenn es beispielsweise in die Schleimhäute gerät. Ich halte jedenfalls respektvollen Abstand. Kurze Zeit später lässt die Betäubung nach und der Gemsbock läuft davon. Offensichtlich war der Eingriff erfolgreich, denn sein Gang wirkt wieder völlig normal.

Gemsbock mit BetäubungspfeilAfrika pur





















Gegen 19:30 Uhr sind wir zurück auf der Farm. Wenn wir auch mit dem Zimmer nicht so zufrieden sind, für das soeben Erlebte hat sich der Aufenthalt auf der Langberg Guestfarm auf jeden Fall gelohnt. Zum Abendessen gibt es ein ordentliches dreigängiges Menue, zu dem wir uns eine Flasche La Motte Shiraz gönnen.



8. Tag: Freitag, 07. November 2003
Kimberley und Umgebung: 128 km
Wetter: 33°C, sonnig


Das Big HoleVom Frühstück sind wir eher enttäuscht. Statt frischem Obst gibt es solches aus der Dose und ansonsten die üblichen Cornflakes und Eier mit Bacon, Würstchen, Champignons, Tomaten und Toast. Kein Vergleich zu dem Frühstück, wie wir es beispielsweise bei Bill und Janine auf Oudrif genießen konnten.

Wir fahren nach Kimberley und besichtigen das Big Hole. Es handelt sich hierbei um das größte von Menschenhand geschaffene Loch. Hier wurden zwischen 1871 und 1914 Diamanten gesucht. Die Ausmaße sind wahrhaft gigantisch, am meisten haben uns aber folgende Zahlen beeindruckt: Es wurden 22.500.000 Tonnen Erde und Gestein bewegt. Dem steht eine Ausbeute von 2.722 kg Diamanten (14.504.566 Carat) gegenüber. Diese Menge an Diamanten passt in drei Loren, die man zum Vergleich mit dem Big Hole neben dem Aussichtspunkt ausgestellt hat.

Zum Gelände des Big Holes gehört außerdem ein sehr interessantes Freiluftmuseum, in dem die alte Zeit auf sehr anschauliche Weise wieder lebendig wird. Insgesamt brauchen wir rund zwei Stunden, um alles zu sehen.

Mittags fahren wir in ein Einkaufszentrum, shoppen ein wenig und essen eine Kleinigkeit. Kimberley bietet zwar noch eine Reihe weiterer Museen, aber bei Temperaturen von 33° C haben wir keine Lust mehr auf Kultur. Uns steht der Sinn eher nach einem relaxten Nachmittag. Den hoffen wir im Riverton Resort am Vaal River genießen zu können.

So sah es früher aus in KimberleyDie Fahrt dorthin dauert etwa eine halbe Stunde, genauso lange suchen wir dann noch einmal vor Ort, weil die Ausschilderung vergessen oder entfernt wurde. An der Einfahrt erkundigen wir uns, ob es eine Schwimmgelegenheit gibt, was bejaht wird. Also zahlen wir den relativ hohen Eintrittspreis von 12 Rand pro Person plus 5 Rand für das Auto. Zunächst sind wir angenehm überrascht. Ein großes Schwimmbecken und außer uns nur eine Handvoll Menschen. Bei näherem Hinsehen stellen wir jedoch fest, dass der Pool ziemlich verdreckt und die ganze Anlage doch recht heruntergekommen ist. Wir sind ziemlich enttäuscht, denn hier hätte es wirklich schön sein können.

Gegen 17:30 Uhr sind wir zurück auf der Langberg Farm. Zu unserer Überraschung ist es hier mit der Ruhe vorbei. Eine Hochzeitsgesellschaft hat sich einquartiert, denn am morgigen Samstag soll hier geheiratet werden. Wir trinken ein paar Bier auf der Terrasse, machen unsere Reisenotizen und lesen ein wenig. Das Abendessen ist nicht so gut wie gestern, und so freuen wir uns, dass wir morgen weiterfahren. Unseren restlichen Wein nehmen wir mit auf die Terrasse und kniffeln eine Runde unter dem Sternenhimmel. Leider wird das Idyll durch gelegentliche Mückenattacken gestört.

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