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bulletReisebericht Südafrika Februar 2001: Die Weinregion

3. Tag
Kapstadt - Stellenbosch: 97 km


Unser MietwagenHeute frühstücken wir im Hotel. Was für ein Unterschied zu unserem gestrigen beschaulichen Frühstück an der Waterfront! Der Speisesaal ist voll mit Reisegruppen, und es geht laut und hektisch zu. Das Frühstücksbuffet (ZAR 65 pro Person) entschädigt zum Glück für die ungemütliche Atmosphäre.

Beim Auschecken stellen wir fest, dass man uns nur eine Nacht berechnet hat. Entweder hat man einen Fehler gemacht, oder uns die erste Nacht nicht berechnet, weil wir erst am frühen Morgen des nächsten Tages eingecheckt sind. Egal, wir hinterfragen das nicht weiter und lassen uns von einem Taxi zur nahe gelegenen Innenstadtstation der AVIS-Autovermietung bringen. Hier haben wir zum zweiten Mal an diesem Morgen Glück. Die von uns reservierte Kategorie D ist “leider” nicht verfügbar. Ohne Aufpreis erhalten wir ein Fahrzeug der Kategorie F, ein schicker BMW 318i mit umfangreicher Sonderausstattung. Nur die Serienausstattung ist leider nicht komplett. Es fehlt noch der Ersatzreifen, den man uns aber innerhalb der nächsten Stunde besorgen will.

Wir laden erst einmal unser Gepäck ein und fahren hinauf zum Signal Hill, von dem man Unser Zimmer im Rusthuiz Guesthouseeinen schönen Ausblick auf Kapstadt und den gegenüberliegenden Tafelberg hat. Als wir wieder bei AVIS vorfahren, ist unser Ersatzreifen mittlerweile eingetroffen, und wir können uns endlich auf den Weg machen.

Wir begeben uns auf die N2 und biegen kurz vor Somerset West auf die R44 Richtung Stellenbosch ab. Etwa 5 km vor Stellenbosch liegt linkerhand das Weingut Blauwklippen, dem wir einen kurzen Besuch abstatten. Besonders viel zu sehen gibt es allerdings nicht, und zu einer Weinprobe haben wir angesichts der heißen Mittagstemperaturen auch keine Lust. Es gibt allerdings ein schattiges Terrassen-Restaurant, wo man schön zu Mittag essen kann. Für uns allerdings kein Thema, da wir noch satt vom Frühstück sind.

In Stellenbosch besorgen wir uns in einem Supermarkt ein paar Flaschen Wasser, etwas Obst und Gebäck und fahren anschließend zu unserer Bed & Breakfast-Unterkunft, dem Rusthuiz Guesthouse (ZAR 230 Person/Nacht), einem sehr gepflegten Haus im Dutch Reformed Mother Church in Stellenboschsviktorianischen Stil.

Wir werden von zwei farbigen Angestellten begrüßt, die uns erklären, dass die Dame des Hauses zur Zeit nicht anwesend sei. Man serviert uns etwas zu trinken und holt sich telefonisch Anweisungen. Danach dürfen wir dann in unser Zimmer, von dem wir wirklich sehr angetan sind. Es ist sehr geräumig, gut ausgestattet und verfügt über einen riesigen Balkon, der nur leider völlig schutzlos der Sonne ausgeliefert ist.

Wir holen erst einmal unser Gepäck, richten uns ein und verzehren unsere im Supermarkt erstandenen Vorräte. Zwischenzeitlich erscheint auch Rene, die Besitzerin des Guesthouses, und heißt uns sehr nett willkommen. Hierbei wird uns zum ersten Mal bewusst, wie groß doch der Unterschied zwischen einer Übernachtung im B&B und einem anonymen Hotel ist. Hier ist alles viel individueller und persönlicher. Man bekommt Kontakt zu den Einheimischen und viele Tipps, die nicht im Reiseführer stehen. Für uns eine ganz neue und sehr erfreuliche Erfahrung, da wir in diesem Urlaub zum ersten Mal in Privat-Unterkünften übernachten.

Zwar ist es nur ein knapper Kilometer bis ins Zentrum, aber wir entscheiden uns trotzdem, das Auto zu nehmen. Zunächst besichtigen wir das Dorpmuseum (ZAR 10 Eintritt), das aus vier sehenswerten historischen Häusern aus der Zeit zwischen 1709 und 1850 besteht. Anschließend bummeln wir durch die Stadt, die heute leider nicht mehr so beschaulich wirkt, wie bei unserem letzten Besuch vor 10 Jahren.

Weingut Lanzerac ManorKurz entschlossen unternehmen wir noch einen Abstecher zum Weingut Lanzerac Manor.
Der Weg dorthin führt durch eine vornehme Villengegend und dann aus Stellenbosch heraus. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Einfahrt zu Lanzerac Manor, die durch ein verschlossenes Tor gesichert ist. Auf unser Klingeln hin wird jedoch ohne Nachfrage geöffnet.

Lanzerac Manor ist ein landschaftlich herrlich gelegenes Weingut, auf dem sich ein Luxushotel mit einem Spitzen-Restaurant, dem “Grosvenors Restaurant” befindet. Alles wirkt hier sehr gediegen und teuer. Da es schon nach 16 Uhr ist, hat die Weinhandlung bereits geschlossen. Wir schauen uns daher nur ein wenig um und fahren dann zurück zu unserer Unterkunft. Für den Rest des Nachmittags ist Relaxen am Pool angesagt.

Abends gehen wir zu Fuß in den Ort. Wir entscheiden uns für ein Restauarant, dass an der Ecke Dorp Street / Andriga Street liegt. Es ist zwar sehr gemütlich eingerichtet, aber das Essen ist allerhöchstens als durchschnittlich zu bezeichnen. Schade, hätten wir uns mal bei unserer Gastgeberin genauer nach empfehlenswerten Restaurants erkundigt.



4. Tag
Die 4-Pässe-Rundreise: 150 km


Weinlagerung im De BergkelderWir beginnen den Tag mit einem gepflegten und leckeren Frühstück im Rusthuiz Guesthouse. Es gibt Cornflakes, Aufschnitt, Käse, Saft, gutes Brot, frisches Obst und auf Wunsch werden auch Eier frisch zubereitet. Wir sind sehr zufrieden.

In Stellenbosch besuchen wir zunächst das Weingut De Bergkelder, wo wir um 10:30 Uhr an einer sehr empfehlenswerten zweisprachigen (deutsch / englisch) Führung (ZAR 10) teilnehmen. Man erfährt hierbei viel über die Geschichte des Weinanbaus in Südafrika, die verschiedenen Weinsorten und die einzelnen Produktionsstufen. Dabei besichtigen wir auch die Abfüllanlage und den in einen Berg gehauenen Weinkeller, in dem unzählige Flaschen des guten Traubensaftes lagern, teils sogar im Kundenauftrag. Der Höhepunkt ist die abschließende ausgedehnte Weinprobe. Hierbei wird so reichlich ausgeschenkt, dass wir uns stark zurückhalten müssen. Schließlich steht ja unser Auto vor der Tür.

Picknick im Weingut BoschendahMit diesem fahren wir anschließend weiter durch das Weinanbaugebiet. Unser nächster Stopp ist das wirklich traumhaft schöne Weingut Boschendahl. Auf einer großen Wiese kann man sich in gepflegter Umgebung zu einem stilvollen Picknick niederlassen, nachdem man sich in einem Pavillion einen Lunchkorb (ZAR 65 p.P) gekauft hat. Das Verzehren mitgebrachter Speisen ist nicht gestattet. Uns ist es noch ein wenig zu früh für Lunch, aber beim nächsten Besuch werden wir hier bestimmt picknicken.l

Das Hugenotten-DenkmalWir fahren weiter nach Franshoek, einem kleineren und im Vergleich zu Stellenbosch beschaulichen Weinort. Hier werden uns aber auch einmal wieder die südafrikanischen Gegensätze in besonders krasser Weise vor Augen geführt. Am Ortseingang befindet sich eine der typischen heruntergekommenen Wellblech-Townships, in dem der Großteil der schwarzen Bevölkerung lebt. Ein Stückchen weiter hingegen passieren wir großzügig angelegte Villen. Größer können die Unterschiede kaum sein.

Wir parken unser Auto am Straßenrand und bummeln ein wenig durch das Zentrum des Ortes, welches sich zu beiden Seiten der Durchgangsstraße befindet. In einem Straßencafe finden wir einen schattigen Platz und nehmen ein paar Sandwiches zu uns. Anschließend laufen wir noch bis zum Ende der Straße, wo sich das Hugenottendenkmal befindet.

Über den landschaftlich sehr schönen Franschhoek-Paß fahren wir gemächlich weiter bis nach Grabouw. Hier sind wir für heute Abend zum Grillen eingeladen. Das Witzige daran ist, Die lila Pausedass wir unsere Gastgeber noch gar nicht persönlich kennen. Das Internet macht’s möglich. Ich hatte Blieni vor einigen Wochen in einem Börsen-Forum “kennengelernt” und erfahren, dass er in Südafrika wohnt. Als ich dann noch festgestellt hatte, dass sein Wohnort genau auf unserer Route liegt, lag es natürlich nahe, aus der virtuellen Bekanntschaft eine reale werden zu lassen.

Neugierig folgen wir der Wegbeschreibung, die uns ein ganzes Stück aus dem Ort herausführt. Endlich entdecken wir die Berliner Flagge. Hier muss es sein. Wir haben kaum unser Auto abgestellt, da kommt auch Blieni schon, und heißt uns sehr herzlich willkommen. Kurz darauf lernen wir auch seine Frau Iris (“Sternchen”) und Töchterchen Julchen kennen. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl bei den Dreien, die ein Leben in zwei Welten führen. Während des deutschen Winters wohnen sie in Südafrika und im Sommer in Berlin. Beneidenswert.

Auf ihrem großen Grundstück haben sie mittlerweile zwei Häuser stehen, die “Villa Kunterbunt” und die “Lila Pause”. Villa Kunterbunt verfügt über mehrere Appartements, die an deutsche Feriengäste vermietet werden. Nähere Information gibt es unter www.blieni.de.

Blieni (rechts) und ich vor Julchen's DosenhausWir haben uns viel zu erzählen, und der Apfelwein fließt in Strömen. Gegend Abend vergrößert sich unsere Runde, als die Feriengäste von ihren Tagesausflügen zurückkehren. Blieni schmeißt den Grill an, und gemeinsam lassen wir uns leckere Straußensteaks schmecken. Später verziehen sich Blieni und ich mal für eine halbe Stunde, um via Internet unsere Freunde im Börsen-Forum zu grüßen. Anschließend hüpfen wir noch in den Pool, nicht ohne dabei noch eine Flasche Sekt zu köpfen.

Gegen Mitternacht brechen wir dann nach herzlicher Verabschiedung von unseren neuen Freunden auf. Der reichlich genossene Alkohol zeigt bei mir nun doch allmählich Wirkung. Die Tatsache, dass Elke fährt, veranlasst einen der aus Ostdeutschland stammenden Gäste zu der erstaunten Bemerkung “Was, Mutti fährt auch?” Er traute einer Frau wohl nicht zu, den Linksverkehr in Südafrika zu meistern. Blieni dirigiert uns noch bis zur Nationalstraße N2, die wir in der Dunkelheit alleine wohl nicht so einfach gefunden hätten. Eine halbe Stunde später sind wir zurück in Stellenbosch.

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