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bulletReisebericht Südafrika im November 2003: Graaf Reinet

9. Tag: Samstag, 08. November 2003
Kimberley - Graaf Reinet: 528 km
Wetter: 40°C, wolkenlos


Die Mückenattacken haben sich in unserem Zimmer fortgesetzt, entsprechend unruhig war die Nacht. Nach einer herzlichen Verabschiedung von unseren Gastgebern, sind wir wieder “on the road”. Vor uns liegen 528 km bis Graaf Reinet in der Karoo, die wir auf den leeren Straßen recht flott zurücklegen.

Andries Stockenström GuesthouseKurz vor Erreichen unseres Ziels hätten wir beinahe einen Unfall gehabt. Mit relativ hoher Geschwindigkeit (ich gebe es zu: es war wohl mehr als die erlaubten 120 km/h) überhole ich einen BMW, als vor mir auf der Überholspur eine Horde Paviane auftaucht. Mitten im Überholvorgang bleibt mir nichts anderes übrig als voll abzubremsen. Zum Glück bemerkt der BMW-Fahrer mein Problem und bremst seinerseits ebenfalls. So schaffe ich es knapp vor dem BMW wieder zurück auf meine Spur und an den Affen vorbei zu kommen. Glück gehabt!

In Graaf Reinet, wo die Jaccaranda-Bäume in herrlicher Blüte stehen, gehen wir erst einmal ins Drostdy Hotel, in dem wir bei unserem letzten Besuch übernachtet haben. Im Garten-Restaurant nehmen wir einen kleinen Lunch zu uns und fahren anschließend zum Andries Stockenström Guesthouse, das uns von zwei befreundeten Paaren, die hier schon zu Gast waren, wärmstens empfohlen worden ist. Statt des gebuchten Standard-Zimmers werden wir in der Ivy-Suite untergebracht. Wir sind angenehm überrascht.

Es ist 40° C heiß und wir haben keine Lust auf schweißtreibende Aktivitäten. Also machen wir es uns in dem schönen Garten bequem, lesen und suchen Abkühlung in dem kleinen Pool, der praktischerweise über eine Gegenstromanlage verfügt.

Andries Stockenström Guesthouse - der kleine PoolAndries Stockenström Guesthouse - unsere Terrasse





















Höhepunkt im Andries Stockenström Guesthouse ist das allabendliche Dinner. Beatrice, die Besitzerin, ist nicht nur eine sehr um das Wohl ihrer Gäste bedachte Gastgeberin, sondern auch eine begnadete Köchin. Was sie hier in diesem abgelegenen kleinen Ort in der Karoo auf die Teller ihrer Gäste zaubert, kann auch in den gehobenen Restaurants in den Metropolen dieser Welt kaum besser sein. Um 19:00 Uhr versammeln sich die maximal 12 Gäste zum Aperitif auf der Terrasse. Beatrice, ihr Mann Andre und ein junger Koch kommen dann zu den einzelnen Paaren und erklären die verschiedenen Gänge. Pro Gang kann man aus zwei Alternativen auswählen. Gleichzeitig wird auch die Weinfrage geklärt und der ausgewählte Wein schon einmal geöffnet.

Um 19:30 Uhr wird man dann in den stilvollen Dining Room gebeten und das lukullische Ereignis nimmt seinen Lauf. Nach einem Amuse-gueule folgt die Vorspeise, das Hauptgericht (wir entscheiden uns an diesem Abend für Straußenfilet) und das Dessert. Das Essen zieht sich gut 2 ½ Stunden hin. Kaffee und Cognac werden dann anschließend auf der Terasse serviert. Heute allerdings ohne uns, denn wir sind ziemlich müde.

(Update Februar 2011: Beim Überarbeiten dieses Berichtes habe ich festgestellt, dass im Andries Stockenström ein Besitzerwechsel stattgefunden hat. Das Konzept ist offensichtlich gleich geblieben, und es wird nach wie vor eine gehobene Küche geboten. Für mehr Informationen bitte auf die Homepage des Guesthouses gehen).



10. Tag: Sonntag, 09. November 2003
Graaf Reinet und Umgebung: 58 km
Wetter: 30°C, bewölkt


Blick auf Graaf ReinetNach einem ausgezeichneten Frühstück lassen wir uns im Visitor Center die Sehenswürdigkeiten von Graaf Reinet erklären. Anschließend fahren wir zum Valley of Desolation und genießen wieder einmal die grandiose Aussicht, die uns schon bei unserem ersten Besuch hier so beeindruckt hat. Wir haben Glück und sehen zwei Schwarzkopfadler, die hier majestätisch ihre Runden drehen.

Da es heute nur 30° C warm und der Himmel bedeckt ist, können wir auch noch eine kleine Wanderung unternehmen, die uns zu verschiedenen Aussichtspunkten in eine große Schlucht führt. Danach fahren wir zurück nach Graaf Reinet und besichtigen das Reinet House Museum, ein Museumskomplex, der aus vier historischen Häusern besteht. Durchaus ein interessanter und lohnenswerter Besuch.

Nachdem wir den Nachmittag dem Nichtstun gewidmet haben, fahren wir später noch zur Game Viewing Area (etwa 3 km nach der Abfahrt zum Valley of Desolation auf der rechten Seite). Leider ist der Ausflug nicht sehr ergiebig. Die wenigen Tiere, die wir diesmal sehen, sind leider so weit entfernt, dass auch das Fernglas nicht sehr hilfreich ist.

Der Höhepunkt des Tages ist natürlich wieder einmal das Abendessen bei Beatrice. Zum Hauptgang haben wir die Wahl zwischen Springbock und Wanderung im Valley of DesolationLamm. Klar, dass wir uns für unser Lieblingsfleisch – Springbock – entscheiden. Die Frage „How would you like to have that cooked?“ wird von uns natürlich mit „medium rare“ beantwortet. So weit, so gut. Kurz bevor der Hauptgang serviert wird, erscheint der junge Koch an unserem Tisch und gesteht uns zerknirscht, dass in der Küche ein Fehler passiert und unser Fleisch ziemlich durch ist. Korrektur leider nicht möglich, weil es die letzte Portion war. Wir akzeptieren die Entschuldigung und lassen uns das „missratene“ Fleisch servieren.

Es stellt sich heraus, dass das Fleisch „gut medium“ und trotzdem sehr lecker ist. Natürlich wäre es „medium rare“ besser gewesen, aber mit dem Ergebnis können wir nun wirklich sehr gut leben. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als der Koch abräumt und fragt, ob das Fleisch denn nicht trocken gewesen sei und Elke mit “a little bit” antwortet. Es dauert nicht lange und Beatrice erscheint an unserem Tisch, völlig aufgelöst angesichts dieses „unverzeihlichen Fehlers“, für den sie eine neu eingestellte Küchenhilfe verantwortlich macht. Wir versichern ihr, dass das Fleisch noch medium war und ausgezeichnet geschmeckt hat. Sie aber meint, es sei „well done“ und trocken gewesen. So geht es minutenlang hin und her, doch die herzensgute Beatrice bleibt untröstlich. Uns ist das fast ein wenig unangenehm.

Heute lassen wir uns Kaffe und Cognac auf der Terrasse nicht entgehen. Wir verbringen fast noch eine Stunde draußen und plaudern mit einigen der anderen Gäste.

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